Posts mit dem Label Medikamente werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Medikamente werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Seite 12

"Die Würde des Menschen wurde mit Füßen getreten. Man nannte es Demut, wenn
man es ertrug, zu Unrecht einer Schuld bezichtigt zu werden. Man nannte es
Hochmut, wenn man sein Recht forderte, und geisteskrank wurde der bezeichnet,
der Schäfer einer Schuld überführte oder offen über Mißstände klagte.“

Das war ein Zitat von Willi Georg vom 21. Juli 1966. Ich selber habe mich den Anweisungen und dem Terrorregime von Schäfer nicht beugen wollen und habe genau das, was Herr Georg in seinem eben zitierten Satz anspricht, am eigenen Leibe erfahren. Man hat versucht, meinen Willen zu brechen, indem man mich über Jahre hinweg auf gröbste Art und Weise geschlagen hat. Man hat mir in jeder Weise Mißachtung entgegengebracht; man hat mich in bestimmte Kleider gesteckt, um mich von den anderen zu unterscheiden; man hat mir die Haare geschnitten; man hat mich so behandelt, daß ich - so möchte ich es einmal sagen - den Eindruck machen mußte, daß ich ein Geisteskranker sei.

Es gibt tatsächlich Leute, die in der Sekte lebten und die der Meinung gewesen sind, daß ich wirklich einer Behandlung bedurfte. Diese Behandlung habe ich nicht gewünscht; sie ist auch mit keinem Facharzt besprochen worden. Ich bin vielmehr dazu gezwungen worden. Bei einer Weigerung ist mir körperlicher Schaden zugefügt worden, in der Form, daß ich auf brutalste Weise geschlagen und gezwungen wurde, die Tabletten, die ich nicht einnehmen wollte, einzunehmen. Diese Tabletten habe ich über ein Jahr genommen; es müssen - ich habe es einmal durchgezählt - ungefähr 500 gewesen sein. Als man mich dabei erwischte, daß ich die Tabletten nicht nehmen wollte, ist man zu gröberen Maßnahmen übergegangen und hat mir Spritzen verabreicht, die eine wesentlich höhere Dosierung hatten, um meinen Willen zu brechen und um mich kampfunfähig zu machen.

Seite 109

Stellv. Vors. Dr. Schmude: Bitte, Herr Kneese, sprechen Sie über die Umstände Ihrer Flucht und über Ihren Bericht an die Botschaft.

Kneese: Ich beschränke mich auf Grund der vielen Ereignisse, was diese zwei, drei Fluchtversuche betrifft, auf die dritte Flucht.

Ich komme noch einmal auf die Aussage zurück, daß ich über ein Jahr lang mit Psychopharmaka behandelt worden bin. Ich habe auf Grund dieser Mißhandlungen natürlich nicht länger diesem Druck standgehalten. Ich habe dann eine Flucht unternommen in dem Zustand, in dem ich gerade war. Ich habe am Tage rote Kleidung getragen, Strafkleidung, die mich sichtbar machte . Nachts mußte ich weiße Kleidung tragen, damit man mich nachts besser sehen konnte. Ich wurde nachts in einem extra dafür eingerichteten kleinen Gefängnis mit Gitterstäben untergebracht. All dies hat mich natürlich auch dazu veranlaßt, mich endlich dieser Sekte zu entziehen.

Die Flucht hat dadurch stattgefunden, daß meine Verfolger nicht so schnell waren wie ich selber. Ich bin über den Perquilauquen gelaufen. In der gleichen Zeit gingen sämtliche für einen solchen Fall eingerichteten Sirenen los. Man hetzte Schäferhunde und Dobermänner hinter mir her. Die ganze Mannschaft der Sekte setzte sich in Bewegung, jedenfalls ein Großteil, was ich auch an Hand der Lampen sehen konnte. Es war Nacht, und ich habe viele Taschenlampen gesehen. Ich war auf der anderen Seite des Perquilauquen. Das ist eine Luftlinie von ungefähr 700 m gewesen.

Ich habe dann einen Dauerlauf von ungefähr 7 bis 8 km unternommen, um mich aus dem Zentrum zu entfernen. Ich habe dann die Nacht im Wald verbracht, habe eine Brücke überquert. Auch dort konnte ich wieder zwei Wachtposten entkommen, die weder angaben, mich erkannt zu haben oder jedenfalls zu spät reagiert hatten. Ich kann mir das heute noch nicht erklären. Ich bin zwei, drei Meter an diesen Menschen vorbeigegangen. Ich habe sie erkannt. Warum konnten die mich nicht erkennen? Schließlich war ich ja durch meine Kleidung sehr gut gekennzeichnet.

Seite 117

wir nicht nach Kanada, weil das Gerede aufkam, ich sei Dr. Mengele. Ich mußte also erst nach Deutschland und vor der RCMP stundenlange Erklärungen geben, daß ich nicht Mengele bin. Dann ist die glückliche Fahrt nach Kanada gelungen; denn dort haben uns die Verwandten sehr gut aufgenommen. Wir kamen dort mit nichts an.

Stellv. Vors. Dr. Schmude: Herr Packmor, darf ich auch Sie bitten, sehr konzentriert zu berichten. Sie sollten das nur in wenigen Strichen kennzeichnen. Sonst werden andere Fragen abgeschnitten.

Frau Packmor: Zur Arbeitsorganisation. Da kann ich auch nur von mir berichten.

Als ich ankam, hat mich Herr Schäfer in die Kinderarbeit [s. u. S. 129] getan. Ich wurde bald der Sache bezichtigt, ich würde die Kinder unmoralisch beeinflussen, die er so gut erzogen hatte. Tatsache war, daß ich ganz zu Anfang, im Februar 1970, in einer Jungengruppe war, von der mir Schäfer vertraulich sagte, die Kinder seien moralisch, sexuell belastet, und sie würden behandelt. Ich sollte helfen.

Die Kinder standen immer unter starken Medikamenten. Mit einigen Helfern und Herrn Dr. Hopp und Dr. Gisela Seewald wurden die Kinder Tag und Nacht beaufsichtigt. Am Tage mußten wir mit ihnen Wanderungen über Berg und Täler machen. Die Kinder sollten müde werden. Sie taumelten zwar, wurden vollgestopft mit Drogen. In der Nacht wurden die Kinder völlig nackt in einem großen Raum, der eigens dafür gemacht wurde - -Das Haus wurde gebaut, als ich schon in Chile war, ein Haus für besondere Zwecke, - so hat mir Herr Schäfer selber gesagt.

Da wurden 12 Betten im Kreis aufgestellt. Wir standen in der Mitte und sollten diese nackten Körperchen der acht- bis zwölfjährigen Jungen beobachten. Regte sich ein Augenlid oder in der Intimgegend etwas, wurde das Kind aus dem Bett gerissen und von den betreffenden Personen geschlagen, als da sind: Manfred Schmidke, Hartmut Hopp.

(Abg. Duve (SPD): Auch von Herrn Dr. Hopp?

Seite 149

Dignidad geschlagen worden? Ist in Ihrem Beisein jemals irgend jemand gezwungen worden, gegen seinen Willen - Sie sind Arzt - Tabletten einzunehmen? Werden in der Colonia Dignidad irgendwelche Maßnahmen ergriffen, wenn jemand gegangen ist? Sie sagten ja, man könne freiwillig gehen. Können Sie uns vielleicht einmal aus Ihrer ganz persönlichen Sicht als Mensch die Rolle von Herrn Schäfer schildern? Welche Aufgabe hat er aus Ihrer Sicht? Gehorchen Sie ihm? Sehen Sie ihn als jemanden an, der Ihnen Befehle geben kann? In welchem Verhältnis stehen Sie rein menschlich zu Herrn Schäfer? Gibt es irgendwelche Kontakte zwischen der Colonia Dignidad und dem Geheimdienst? Gibt es in dieser Hinsicht irgendwelche Beziehungen? Können Sie uns auf diese Fragen bitte Antwort geben?

Dr. Hopp: Ich muß leider dabei bleiben, daß hier erstens Fragen gestellt werden, die nicht zum Thema gehören, daß ich zweitens nicht zu Ende angehört worden bin und deswegen auch diese Fragen nicht beantworten kann. Es ist hier nur eine Seite zur Sprache gekommen. Es tut mir sehr leid. Ich hätte Fragen natürlich sehr gern beantwortet, wenn es andersherum gegangen wäre.

Vors. Vogel: Herr Dr. Hopp, ich muß es noch einmal sagen: Sie sind nicht gebeten worden, hier lang und breit Darstellungen dazu zu geben, weshalb diejenigen, die uns etwas anderes gesagt haben, als Sie uns gesagt haben, unglaubwürdig sind. Sie sollten uns aus eigener Erkenntnis über die Situation in der Colonia Dignidad berichten?. Dies haben Sie nicht getan. Ich darf dies hier schlicht und einfach so festhalten. Ich bedaure das sehr. Sie haben bei Ihrem Vortrag die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit weit überzogen. Ich habe Ihnen die Möglichkeit gegeben, hier lange vorzutragen. Als es aber zu lang wurde und der Rahmen, der hier auch mit Rücksicht auf die anderen gesetzt werden mußte, überschritten wurde, habe ich gesagt: Übergeben Sie uns den Bericht. Er wird sicher sorgfältig gelesen werden.