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Seite 42

was sich tut. Es kamen die Schäferhunde, Karl van den Berg mit seiner Mannschaft und haben das Haus umzingelt; die Hunde haben alles abgesucht. Es war alles still. Ich war wieder im Bett. Das habe ich mehrmals versucht.

Dann habe ich mir am Tage die Stelle gesucht, wo die Drähte geschaltet werden - am Tag wurden die Wege dann geöffnet -und wo die Tore zur Nacht geschlossen werden, immer an Hand dieser Stolperdrähte, und habe das alles gefunden. In der Dämmerungszeit werden der SD um das Haus herum und die Sicherheitsanlage geschlossen. Ich bin dann hingegangen und habe. den jungen Mann getroffen, der die Sache bedient hat, der sehr erschrocken war, weil er das unter allen Umständen niemanden wissen lassen darf. Er sagte dann: Du weißt ja sowieso Bescheid, du bist ja vom Fach. Er errötete und sah mich bittend an, also: Sprich bitte nicht darüber! Für mich war es nur die Bestätigung.

Ich möchte hier schließen; denn es ist ein Thema ohne Ende.

Georg Packmor: Zu der Frage ein klares und unmißverständliches Ja. Wenn aber nur diese Unfreiheit, diese Gefangenschaft wären, weil das Wohngelände mit einem 2,20 m hohen Zaun und außerdem mit einem Maschendraht von einem Meter umgeben ist - das sind 9 Stacheldrahtdrähte -, wenn das Gelände nur mit elektrischen Sicherheitsanlagen, Lichtschranken und Stolperdrähten ausgerüstet wäre, die alle in die Zentrale melden, wenn nur Wächter, mit Kameras und Funk ausgerüstet, Tag und Nacht Wachen halten würden, wenn nur bewaffnete Kommandos mit dressierten Hunden und mit Spezialfahrzeugen und Infrarot durch die Nacht fahren wurden, dann wäre das alles noch irgendwie zu bewältigen. Wenn sich dann zwei eins wären, könnten sie verschwinden, könnten sie fliehen.

Was aber viel schlimmer ist, ist das Beichtenmüssen, kein Geheimnis haben zu dürfen, die Gefangenschaft, die absolute Abhängigkeit, innere Gefangenschaft. Es ist so schwer zu erklären;

Appendix E

Mai 2011

MITGLIEDER DER COLONIA DIGNIDAD VERHAFTET

Sondergemeinschaften / Sekten

Im Zusammenhang der Aufarbeitung der Verbrechen, die in der deutschen Sekte „Colonia Dignidad“, später umbenannt in „Villa Baviera“, in Chile begangen wurden, sind am 23. Mai 2011 acht Mitglieder des ehemaligen Führungskreises der Gemeinschaft verhaftet worden. Bereits im Januar waren sie wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen verurteilt worden. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um Karl van den Berg (76), Gerhard Mücke (77), Kurt Schnellenkamp (84), Friedhelm Zeitner (47), Matthias Gerlach (40), Renate Freitag (71), Gerd Seewald (89) und Gisela Gruhlke (80). Zwei weitere gesuchte Personen, darunter Rebeca Schäfer, die Adoptivtochter des Sektenchefs Paul Schäfer, stellten sich den Behörden. Die Verurteilten waren unter Auflagen auf freiem Fuß, bis der Oberste Gerichtshof die Urteile bestätigen oder revidieren würde. Die Entscheidung sollte demnächst fallen. Ein prominentes Führungsmitglied der Gemeinschaft hat sich durch Flucht der Verhaftung entzogen. Der Arzt Dr. Hartmut Hopp (66), der ebenfalls wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war, wird als die „rechte Hand“ des Sektengründers Paul Schäfer bezeichnet. Medien spekulieren, dass er der letzte noch Lebende sei, der wisse, wo sich die auf beträchtliche Höhe geschätzten Schwarzgelder der Colonia Dignidad aus Zeiten der Diktatur Pinochets befinden. Es wird vermutet, dass sich Hopp nach Deutschland abgesetzt hat. Seine Frau Dorothea Witthahn war bereits im April nach Deutschland geflogen, zusammen mit der ehemaligen Buchhalterin der Gemeinschaft, Erika Heimann. Auch sie sollen, wie weitere Sektenmitglieder, von der chilenischen Justiz gesucht werden, hieß es in Medienberichten. Die Schwiegertochter Hopps, Bärbel Schreiber, bestätigte gegenüber Journalisten, dass sich der Gesuchte in Deutschland aufhält. Bärbel Schreiber ist die Tochter des ebenfalls vor der Justiz nach Deutschland geflüchteten Albert Schreiber, der 2008 gestorben ist. Sie lebt in Krefeld, wie andere ehemalige Sektenmitglieder auch, die Chile nach der allmählichen Auflösung der Gemeinschaft verlassen hatten. Anziehungspunkt für sie ist die „Freie Volksmission Krefeld“ um Ewald Frank, der nach der Flucht des Sektenchefs Schäfer unter den Mitgliedern der Colonia Dignidad / Villa Baviera missioniert hatte. Medien spekulieren deshalb, dass sich auch Hopp im Umfeld der Freien Volksmission Krefeld aufhalten könnte.

Quelle: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen; Berlin; Publikationen

Strafanzeige gegen Sektenarzt Hopp, Bürger planen Protest; amerika21.de; 27. 08. 2011

Chile: Weitere Ermittlungen gegen Sektenarzt Hopp; amerika21.de; 28. 08. 2011

Berlin gibt Unkenntnis vor und finanziert die Sekte dennoch weiter; Telepolis; 16. 09. 2011

Deutschland finanziert Sektensiedlung in Chile; Harald Neuber; amerika21.de; 17. 09. 2011

Der BND und die für Folter und Kindesmissbrauch bekannte Colonia Dignidad; Gaby Weber; Telepolis; 22.09.2011

Kritik im Bundestag an Geldern für Sektensiedlung; Harald Neuber; amerika21.de; 27. 09. 2011