Posts mit dem Label Gemballa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gemballa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Seite 18

gut ausgebildet sind, Spezialfahrzeuge, die sich dann, wenn irgendwo ein Stolperdraht angezeigt hat, daß da etwas passiert ist, sofort in Bewegung setzen. Rund um die Uhr befindet sich neben dem Überwachungsraum eine Wache. Sie schlafen in ihrer Kleidung und werden schnell geweckt. Einer von diesen Wachhabenden ist immer gleichzeitig einer, der einen Schäferhund bei sich hat, der dann mit auf den Wagen springt. Diese Wache ist bewaffnet; zu der Frage der Bewaffnung komme ich gleich noch einmal. Die Fahrzeuge sind in unserer Werkstatt sehr geräuscharm gemacht und mit Infrarot ausgestattet worden, so daß sie im Dunkeln schnell hinterherjagen können. Sie haben außerdem entsprechende Funkgeräte und können mehr Leute verständigen, wenn ein besonderer Alarm vorliegt.

Stichwort Waffen: Nachdem in der letzten Ausgabe des "Stern“ Herr Gemballa das Stichwort nannte, wenn auch nicht ganz zutreffend, möchte ich auch hierzu in aller Freiheit folgendes erklären: Ich habe niemals eine Verbindung mit dem Waffenhändler Mertins im Blick auf Waffenkauf oder ähnliches gehabt. Ich habe ihn in Chile bzw. 1980 hier in Deutschland erst kennengelernt, und während meiner Tätigkeit bis 1975, als ich nach Chile gerufen wurde, hatte ich keine Verbindung mit ihm. Aber ich habe auf dem Schwarzmarkt -Sie werden verstehen, daß ich weder Ort noch Namen nenne -1970/1971, nachdem ich im September 1970 von Schäfer zu einer Besprechung nach Chile gerufen worden war und von ihm Dollar in bar für Waffenkäufe mitbekommen hatte, Pistolen, einige Gewehre, zwei Maschinengewehre und einige Maschinenpistolen gekauft und sie ebenso schwarz zusammen mit unseren sogenannten karitativen Sendungen nach Chile geschafft; das war während der Zeit der Regierung Allendes.

Als nächstes möchte ich den Punkt Flucht streifen. Ich habe versucht, zusammenzählen, wieviele Namen mir von solchen bekannt sind, die geflohen sind bzw. es versucht haben. Ich kam auf 20. Aber ich greife jetzt nur einige wenige heraus, und zwar solche Fälle, die ich miterlebt habe.

Seite 58

sich persönlich zu informieren, hatte er am 6. September 1967, als er unsere Gesellschaft besuchte und abschließend in unser Gästebuch die Widmung schrieb:

Gottes Segen für Ihre Arbeit und ein "dickes Fell“ für alle Anfeindungen wünscht Ihnen Pastor Helmut Frenz

Ende August 1987 besuchte der Journalist Gero Gemballa die Villa Baviera und unser Restaurant in Bulnes. In Villa Baviera fanden lediglich einige Gespräche am Eingangshaus statt. Sein Bericht im "Stern“ und im WDR entspricht nicht den Tatsachen. Herr Gemballa betonte bei seinen Gesprächen ausdrücklich, er sei nicht gekommen, uns kennenzulernen, sondern uns mit den Vorwürfen zu konfrontieren; das sei sein Auftrag.

Am 13. Dezember 1987 erschien er zusammen mit Wolfgang Müller und anderen, nicht identifizierten Personen am Haus der Privaten Socialen Mission in Hennef. Bei dieser Gelegenheit machten sie sich des Hausfriedensbruchs, der Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung schuldig. Eine Strafanzeige wurde am 15. Dezember 1987 bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet, und das entsprechende Ermittlungsverfahren ist eingeleitet.

Vors.Vogel: Also können Sie bisher doch nicht sagen, daß sie sich dessen schuldig gemacht haben, sondern: Sie haben sie beschuldigt.

Dr. Hopp: Ich nehme das zurück.

Vors. Vogel: Ich bitte also, sehr vorsichtig in der Wahl von Ausdrücken zu sein. Das kann das Klima hier nur verschärfen.

Dr. Hopp: Hugo Baar, geboren am 6. Oktober 1925 in der Sowjetunion, war Mitbegründer und bis Februar 1978 Vorsitzender der Privaten Socialen Mission in Siegburg. Anfang 1975 kam er nach Chile, und am 14. Dezember 1984 verließ

Seite 82

nach Hause fahren und es andere nicht können, dann ist das ein Zustand, mit dem ich nicht konform gehe, ich bleibe hier. Ich habe Freude an meiner Arbeit, ich bin zufrieden. Ich bin mit dem Urteil der Familie Reuscher gegenüber zurückgekommen, daß die Tochter eine gute Entscheidung getroffen hat.

Gemballa: Mein Name ist Gero Gemballa. Ich bin freier Fernsehjournalist und habe im August 1987 den ersten Fernsehbeitrag für den Westdeutschen Fundfunk über die Colonia Dignidad gemacht, habe danach in Zusammenarbeit mit Kai Hermann vom "Stern“ mehrere Beiträge geschrieben und auch mehrere Fernsehbeiträge gemacht. Bei dieser Gelegenheit bei meinem Besuch in Chile habe ich Herrn Hopp kennengelernt, allerdings unter recht eigentümlichen Umständen. Ich habe diese Bilder von dem 2,20 Meter hohen Stacheldrahtzaun gemacht, der angeblich nur die Maisfelder vor den Tieren schützt. Ich habe mit einem Mietwagen - nicht mit einem Flugzeug - das Gelände der Colonia Dignidad befahren und habe mich am Empfangshaus bemüht, mit Herrn Hopp in Kontakt zu treten. Als ich dort gefilmt habe, hat sich die Tür geöffnet und der totgeglaubte und totgesagte Paul Schäfer ist herausgetreten. Auch Gerhard Mücke, der Leibwächter, und Herr Hopp und mehrere junge Männer sind herausgetreten, die sich mir namentlich nicht vorgestellt haben. Herr Hopp hat sich mir damals nicht vorgestellt, auch Herr Schäfer hat sich mir damals nicht vorgestellt. Herr Schäfer war allerdings sehr leicht zu identifizieren, weil er ein Glasauge hat. Das hat zur ersten Verhaftung meines Lebens geführt. Darüber wurde bei der Polizeistation in Parral ein Protokoll angelegt. Das hat der Herr Dr. Hopp genauso unterschrieben wie Gerhard Mücke. Das habe ich unterschrieben, und das hat auch die sogenannte unabhängige Dolmetscherin, Frau Anna de Fuentes, unterschrieben, die sich nachher als die Gattin des Vorsitzenden des Freundeskreises Colonia Dignidad, Parral, herausgestellt hat.

Ich möchte aber ganz deutlich machen, daß das viel eindringlicher ist, was die Herrschaften sagen, die aus der Colonia geflüchtet sind. Man muß den Mut, den sie haben,

Seite 83

respektieren. Das Ehepaar Packmoor hat seinen Sohn Mathias noch in der Colonia Dignidad, das Ehepaar Baar hat noch neun Kinder in der Dignidad. Aus diesem Grunde sollte man verstehen, wie schwer es für diese Herrschaften ist, hier auszusagen. Ich bitte um Respekt für die Emotionalität von Wolfgang Kneese, der hat dort gelebt, der hat das ertragen müssen.

Ich warne davor, das undifferenziert zu sehen. Wenn ich bei Herrn Peymann bei den Fotos der Colonia Dignidad eine Fototasche sehe, auf der "Bilderland“ steht, dann kann ich sagen: Es ist ein Bilderland; so maßgeschneidert, wie Herr Hopp hier vor mir sitzt, so maßgeschneidert ist die Fassade. Es ist alles sauber, die Blumenrabatte sind gegossen.

(Dr. Hopp: Darf ich hier Einspruch dagegen erheben, daß ich persönlich angegriffen werde? - Zurufe) -
Ich nehme den maßgeschneiderten Anzug gerne zurück, wenn er es nicht ist. (Heiterkeit)

Vors. Vogel: Herr Gemballa, ich bitte Sie ebenso wie vorhin Herrn Hopp, sich zu bemühen, persönliche Anzüglichkeiten hier aus dem Spiel zu lassen. (Heiterkeit)

Gemballa: Ich warne davor, sich unter der Colonia Dignidad ein dunkles, vermodertes Foltergefängnis vorzustellen. In Wirklichkeit ist es eine Siedlung, die sauber gestrichen ist, wo alles ordentlich ist, wo alles deutsch ist, wo original bayerische Schilder hängen, wo sehr viel auf die Fassade geachtet wird. Ich habe das Gefühl, daß genau das den Erfolg der Colonia Dignidad ausgemacht hat.

Was mich bei meinen Besuchen in der Colonia Dignidad bestürzt hat, war, daß Herr Hopp auf meine direkten Fragen an ihn - er wird sich daran erinnern; dabei waren der Gerhard Mücke und ein Kameramann der Colonia Dignidad, der dann nachher

Seite 84

auch die Bilder gemacht hat, die im Westdeutschen Rundfunk gesendet worden sind - nichts direkt abgestritten hat. Ich habe Herrn Hopp natürlich gefragt - insofern stimmt es, daß ich ihn mit Vorwürfen konfrontieren wollte -: Gibt es bei Ihnen Elektroschockgeräte? Herr Hopp hat mir sinngemäß geantwortet - er wird das hier nicht besser haben, weil es dort üblich ist, Tonbandgeräte mitlaufen zu lassen - -

Vors. Vogel: Hier laufen eine ganze Reihe von Tonbandgeräten. Ich habe das nicht beanstandet. Es ist eine öffentliche Veranstaltung.

Gemballa: Herr Hopp hat damals auf meine Frage gesagt, es gebe eines, das sei eine lange Jahre wissenschaftlich anerkannte Methode der Therapie gewesen; der Psychiater, der dieses Mittel benutzt hätte, sei allerdings inzwischen verstorben. Auf meine Frage, ob Kinder und andere Menschen dort geprügelt werden, sagte er sinngemäß, er könne antworten, was er wolle, ja oder nein, jede Antwort sei auch falsch. Auf meine Frage, ob es einen Mercedes 600 für den Diktator Pinochet gegeben habe, sagte er, man hätte den nicht so richtig dem Diktator Pinochet geschenkt und auch nicht vermittelt, sondern eher so organisiert. Für mich war das Eindrückliche, daß ich für alle Vorwürfe, die es gibt - wie heute z. B. -, keine schlichte Ablehnung gefunden habe und man sich bemüht hat, Verständnis dafür zu schaffen.

Ich habe das Erlebnis gehabt, wie auch verschiedene der Herrschaften, die hier sind, - auch Herr Bossle -, daß man mir einen Knabenchor vorgeführt hat. Dieser Knabenchor zeigt, daß die Vorstellung falsch ist, daß man hier nur das Tor aufmachen müßte und die Menschen würden herauslaufen. Die Menschen, die dort leben, sind nicht mehr in der Lage, autonom zu entscheiden; sie leben seit 25 Jahren unter einem strengen psychischen Druck und werden sicherlich auch mit Medikamenten behandelt. Es ist ein Omnibus mit verhangenen Scheiben vorgefahren. Etwa 50 Personen haben sich vor dem Empfangshaus auf-

Seite 85

gebaut unter dem Vorwand, die Schwester Kathi, die Wächterin an diesem Empfangshaus, für 17 Jahre aufopfernden Dienst an diesem Empfangshaus zu belohnen. Es wurden mehrere Lieder abgesungen, der Schwester Kathi wurde ein Blumenstrauß überreicht, und es wurde ein Gedicht aufgesagt. Ich habe in meinem Leben noch nicht so viele leere, hilflose Gesichter gesehen, so viele Menschen, die nicht in der Lage waren, mit jemandem zu kommunizieren. Ich habe sie angesprochen, habe sie auch gefragt, ob sie das vielleicht noch einmal für die Kamera singen könnten. Die Menschen haben nur auf eine Person im Hintergrund reagiert. Ich bin bei dieser Gelegenheit fotographiert worden, wie es auch schon Abgeordneten geschah, um sich danach in deutschen Zeitschriften wiederzufinden. Es ist nicht möglich, mit diesen Menschen zu kommunizieren. Die Menschen sind nicht mehr in der Lage, frei ihren Willen zu äußern. Es war absolut beängstigend. In diesem Knabenchor stand eine Person, bei der ich mich heute noch frage, weshalb man mir diese Person dann vorgeführt hat. Sie war kaum in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Es war ein junger Mann, der vollkommen abgemagert und vollkommen bleich im Gesicht war, rote blauädrige Hände hatte, der gar nicht in der Lage war, mitzusingen. Ich frage mich heute noch, weshalb man mir ausgerechnet diese Person vorgeführt hat.

Das Wichtigste allerdings - das ist der Aspekt, um den es auch Herrn Frenz geht - scheint mir die Zusammenarbeit der Colonia Dignidad mit den örtlichen Polizeibehörden, wenn nicht sogar mit dem Geheimdienst. Den Herrschaften ist ja ein kleiner Fehler unterlaufen. Ihr Kameramann hat ja auch die Herrschaften gefilmt, die mich lange Zeit durch Chile begleitet hatten. Aus diesem Grund sind wir in der Lage, das zu dokumentieren. Die Polizei, die mich zur Polizeistation nach Parral abgeholt hat, salutierte vor Paul Schäfer, schlug die Hacken zusammen und sagte "Don Schäfer“. Mehrere Stunden haben die Polizeioffiziere mit ihnen, mit Herrn Schäfer verhandelt. Es besteht für mich überhaupt kein Zweifel daran, daß die Zusammenarbeit der örtlichen Polizeibehörden mit der Colonia Dignidad eine äußerst enge ist. Sie haben erst einmal mein Filmmaterial

Seite 86

beschlagnahmt und haben mir dankenswerterweise sogar eine Quittung darüber gegeben. Die Folge war, daß mein Filmmaterial dankenswerterweise unter Zuhilfenahme der deutschen Botschaft aus dem Land geschafft werden konnte. Sonst wäre es heute auch gar nicht möglich, darüber zu reden. Ich hege keinen Zweifel daran, daß die Zusammenarbeit mit den chilenischen Polizei- behörden auch heute noch eine engste ist.

Ich bin betroffen darüber, daß die Personen, die mir und Kollegen Interviews gegeben haben, heute einem intensiven Terror ausgesetzt werden. Das geht so weit, daß die Personen nicht mehr nur Tag und Nacht angerufen werden, sondern daß nach einem Interview, das wir vergangene Woche in Hamburg mit einem Zeugen geführt haben, der schon einmal vor dem Landgericht ausgesagt hat, etwa eine halbe Stunde später ein Herr vor der Tür erschien, sich Zutritt zu dem Gebäude verschafft hat und die Herrschaften inzwischen gezwungen sind, mit der Polizei - -

Vors. Vogel: Darf ich fragen, Herr Gemballa: Sind das Vorgänge innerhalb der Bundesrepublik?

Gemballa: In der Bundesrepublik Deutschland, vor einer Woche, in direktem Zusammenhang mit Recherchen - das ist nicht die einzige Person, die einem direkten Terror ausgesetzt wird. Ich möchte das nur klarmachen, damit man hier auch wirklich beurteilen kann, welchen Mut diese Herrschaften auf sich nehmen müssen. Hugo Baar, der neben mir sitzt, ist, nachdem er in der Bundesrepublik Deutschland war, nachweislich von einem Mühlheimer Detektiv verfolgt worden. Das sind Methoden, die weiter um sich greifen, auch heute, 1988.

Prof. Bossle: Herr Vorsitzender, erlauben Sie mir, im Sinne einer Ehrenerklärung zuerst feststellen zu dürfen, daß ich die gegen Herrn Kneese, Herrn Baar und Herrn Packmoor vorgebrachten Vorwürfe aus dem Munde von Herrn Hopp für beschämend halte.