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verletzenden Bedingungen in der Colonia Dignidad in Chile?“ Dies war mir
bisher unbekannt. Da ich die Colonia Dignidad nie selbst besucht habe, kann ich
zu diesem speziellen Thema keine auf eigenen Wahrnehmungen beruhenden Angaben machen. Die von Ihnen eingeladenen Familien Packmor und Baar dürften am ehesten zu verwertbaren Aussagen in der Lage sein.

Sofern ich aus mir zugänglichen Unterlagen und Aussagen Dritter
Schlüsse gezogen habe, so sind diese in meiner Berichterstattung an das
Auswärtige Amt enthalten. Uber diese Berichterstattung hat das Auswärtige Amt
dem Bundestag Auskunft gegeben und wird dies zweifellos auch weiterhin tun. Für
mich ist unter den gegebenen Umständen ein Erscheinen vor dem Unterausschuß
nicht sinnvoll. Mit freundlichen Grüßen.

Dies habe ich Ihnen der Vollständigkeit halber ebenfalls mitgeteilt.

Meine Damen und Herren, ich habe Ihnen dann noch folgendes zur Kenntnis zu geben. Mich hat ein Brief der Rechtsanwälte Norbert Gatzweiler und Heinz-Jürgen Kunz aus Köln vom 16. Februar 1988 erreicht, in dem es heißt:

Sehr geehrter Herr Vogel, hiermit zeige ich Ihnen an, daß mich die Private
Sociale Mission, vertreten durch Herrn Hans-Jürgen Blanck, mit der Wahrnehmung
ihrer Interessen beauftragt hat. Gerne nimmt meine Mandantschaft Ihre Einladung
zur Anhörung am 22. Februar 1988 an. Ich füge in der Anlage eine Vollmacht des
Vorsitzenden der Freien Sociale,Mission und stellvertretenden Vorsitzenden der
Sociedad Benefactora y Educacional Dignidad, Herrn Hans-Jürgen Blanck, bei, der
Herrn Dr. Hartmut Hopp bevollmächtigt hat,

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Abg. Frau Olms (GRÜNE): Ich möchte noch einmal nachhaken.

Herr Waltemathe hatte ja schon die Frage gestellt, ob es vom Auswärtigen Amt eine Anweisung oder eine Empfehlung für die beiden Exbotschafter gebe, nicht auszusagen. Ich denke, wir sollten doch noch einen Vertreter des Auswärtigen Amtes hier kurz dazu hören.

Vors. Vogel: Frau Kollegin Olms, der größte Teil derer, die wir gebeten haben, ist anwesend. Mit allen anderen Fragen, die sich sonst stellen, sollten wir uns beschäftigen, wenn wir zur nächsten Sitzung zusammenkommen; wir sollten das nicht hier und heute tun.

Ich schlage folgendes Verfahren vor und wäre sehr dankbar, wenn Sie damit einverstanden wären. Wir sollten zunächst denen, die wir gebeten haben, uns zur Verfügung zu stehen, Gelegenheit geben, 10 bis 15 Minuten lang - aber bitte nicht mehr! - uns das zu sagen, was Sie uns aus eigenem Wissen zu der Frage, die wir ihnen mitgeteilt haben, sagen können. Uns interessiert nicht, was Sie irgendwo gehört haben, sondern das, was sie selber gesehen haben, was Sie selber wahrgenommen haben und was Sie selber gehört haben; das interessiert uns in allererster Linie. Ich wäre Ihnen auch sehr dankbar, wenn Sie uns dann jeweils dazu sagen würden, wie Sie die Erkenntnisse, die Sie uns hier mitteilen, gewonnen haben.

Mein Vorschlag an die Mitglieder des Ausschusses geht dahin, daß wir zunächst die Damen und Herren nacheinander hören und daß wir dann sehr genau absehen, welche Zeit uns noch zu weiteren Fragen zur Verfügung steht. Ich könnte mir vorstellen, daß uns, wenn sie sich an die 10 bis 15 Minuten halten, noch eine Menge Zeit bis 14 Uhr zur Verfügung stehen wird. Ich muß allerdings darauf aufmerksam machen, daß ich pünktlich um 14 Uhr hier Schluß machen muß, weil ich dann an einer Sitzung des 2. Untersuchungs- ausschusses als stellvertretender Vorsitzender teilnehmen muß. Außerdem haben andere Mitglieder des Unterausschusses im vorhinein mitgeteilt, daß sie ebenfalls nur bis 14 Uhr zur Verfügung stehen können.

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Vors. Vogel: Ich habe wirklich die Bitte, daß Sie jetzt zum Schluß kommen.
Dr. Hopp: Damit werde ich meinen Vortrag schließen.
Vors. Vogel: Sie überreichen uns das, bitte?
Dr. Hopp: Ja.

Vors. Vogel: Dann darf ich als nächsten Herrn Bohnau bitten. Der Name ist hier schon einmal gefallen. Wenn Sie bitte berichten.

Bohnau: Ich stelle mich erst einmal kurz vor. Mein Name ist Günter Bohnau. Ich bin 53 Jahre alt, bin seit 26 Jahren verheiratet und habe zwei Söhne.

Meine Eltern sowie drei Geschwister leben mit ca. 13 Kindern seit 1961, 1962 und 1963 in der Colonia Dignidad. Da Herr Hugo Baar meinen Angehörigen einredete, daß Deutschland durch einen Krieg vernichtet würde, wanderten sie aus Angst nach Chile. aus, weil sie ihm blind vertrauten. Er versprach ihnen dann ein Paradies auf Erden. Dadurch zerstörte er unsere ganze Familie, die bis zu diesem Zeitpunkt immer fest zusammengehalten hatte. Seither bekam ich keine Möglichkeit mehr, meine Angehörigen zu sehen. Ein Besuch oder ein Treffen wurde immer wieder abgelehnt. Sollte ich das Gelände Colonia Dignidad betreten, so drohte man mir, mich wegen Hausfriedensbruchs anzuklagen. Nach drei schriftlichen Hilferufen meines Vaters im Jahre 1968 habe ich beim Auswärtigen Amt einen Rückführungsantrag gestellt, welcher unbeantwortet blieb.

Einen ersten Brief meines Vaters vom August 1968 möchte ich Ihnen im Original vorlesen:

Lieber Günter und liebe Gerda, ich will Euch kurz ein paar Zeilen schreiben, wir haben Euch mit Familie Weris aus österreich einen Brief mitgegeben, weiß aber nicht, ob sie ihn Euch abgeschickt haben.

Uns geht es hier sehr schlecht, wir werden hier sehr schlecht behandelt. Die Kinder werden auch furchtbar geschlagen, und wem da. nicht paßt und hier nicht bleiben will, wird hier bewacht. Die

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tragen, was Amnesty International vor dem Landgericht Bonn in einem zehnjährigen Prozeß vor allem durch Zeugen vortragen ließ; Zeugen, die einmal aus dem Bereich der Folteropfer kamen, Zeugen, die zu den Folterern gehört haben, also Geheimdienstagenten, und schließlich auch Zeugen aus dem Kreis der Bewohner der Colonia Dignidad. Aber ich will zwei Fälle doch nennen, weil es sich um zwei deutschstämmige Personen handelt.

Vors. Vogel: Sie berichten über einen Prozeß, der noch nicht abgeschlossen ist.

Frenz: Ich berichte nicht über den Prozeß; ich habe ihn nur erwähnt. Er ist noch nicht abgeschlossen.

Aber ich will über zwei deutschstämmige Personen berichten. Der eine ist ein Herr Treskov, die andere ist eine Frau Adriana Borquez, geb. Fuchs-Locha, wenn ich mich richtig an den Namen erinnere; es ist jedenfalls eine deutschstämmige, deutschsprechende und auch Deutsch verstehende Frau. Beide konnten vor dem Bonner Landgericht exakt berichten, wie sie von dem Geheimdienst in die Colonia verschleppt worden sind und wie sie dort auch von deutschsprechenden Personen gefoltert worden sind. Nach Aussagen von Frau Borquez ist bei den Folterungen auch eine deutschsprechende Ärztin dabei gewesen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist noch eines - dann will ich meinen Vortrag erst einmal beenden -: Während der Zeit des Prozesses vor dem Bonner Landgericht kam eine Frau, Frau Baak, auf mich zu, deren Tochter seit Jahren in der Colonia Dignidad lebt und mit Herrn Mücke verheiratet ist. Genauer handelt es sich um Brigitte Mücke, geborene Baak. Diese Mutter, lebend in der Nähe von Bonn, in Troisdorf, war in große Not geraten. Sie hatte einen offensichtlich herausgeschmuggelten Brief ihrer Tochter Brigitte erhalten. Es war ein loser, herausgerissener Zettel, offensichtlich ohne feste Unterlage geschrieben, vielleicht auf dem Schoß, etwa folgenden Inhalts - ich habe den Brief selber nicht, da ich ihn im Auswärtigen Amt abgegeben habe -: Liebe Mutti, es geht mir hier sehr schlecht. Ich werde geschlagen. Ich möchte hier unbedingt heraus. Ich halte es

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nicht mehr aus. Sorge dafür, daß ich - unterstrichen - alleine auf die deutsche Botschaft bestellt werde. Bitte keine Öffentlichkeit. - So ungefähr. Ich zitiere, aus meinem Gedächtnis. Das Original müßte sich noch heute in Händen des Auswärtigen Amtes befinden.

Ich fragte die Mutter, warum sie sich nicht von sich aus an das Auswärtige Amt gewandt hatte. Da sagte sie, sie traute sich nicht, denn die Tochter war ein Jahr vorher einmal hier gewesen und hatte erzählt, daß man auf die deutsche Botschaft nicht gehen könnte, daß man wegen der Erfahrungen, die andere Flüchtlinge gemacht hatten, Furcht hätte. Da sagte sie: Soll ich das denn nun machen? Warum will sie denn dahin gehen? Ich habe der Mutter zugeredet und ihr gesagt: Wir müssen diesen Weg beschreiten. Dann bin ich mit dem Zettel allein in das Auswärtige Amt gegangen und habe mit den Beamten Einzelheiten besprochen. Das Ergebnis, wie es mir später bekannt wurde, bestand dann darin, daß die Botschaft Frau Mücke in der Tat dort hinbestellt hatte. Sie erschien in Begleitung ihres Ehemannes, von dem ich hinterher gehört habe, daß er seine Frau mindestens einmal sehr schlimm geschlagen hat oder sogar schlagen mußte; vielleicht können die ehemaligen Mitglieder der Colonia da mehr berichten. Sie sagte dort: Sie haben doch wohl nichts dagegen, daß mein Mann mich begleitet. Der Botschafter hat dies dann zugelassen. Sie hat dann im Beisein ihres Mannes erklärt, daß sie da glücklich sei - etwa so wie eine der eidesstattlichen Erklärungen, die Herr Hopp vorgelesen hat -, daß sie freiwillig da sei; sie hätte in der Tat einen Brief an die Mutter herausgeschmuggelt, aber in einem Augenblick geistiger Umnachtung - ich weiß nicht, ob wörtlich so, aber ich zitiere sinngemäß - geschrieben, und sie wäre glücklich, wenn sie weiterhin in der Colonia Dignidad leben könnte. Das Ergebnis wurde in meinem Beisein hier dann auch der Mutter mitgeteilt, die einen Zusammenbruch erlitt. Wenige Tage danach kam ein Telegramm von der Tochter Brigitte an die Mutter mit folgendem Inhalt: Liebe Mutti, wenn du noch weiterhin Kontakt mit Herrn Frenz hältst, dann bin ich nicht mehr deine Tochter.