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Frau Packmor: Zu Ihrer grundsätzlichen Frage, die hier schon genannt wurde, sage ich Ja. Denn ich habe es selbst erlebt, und davon will ich berichten. Ich bitte um Nachsicht und Verständnis, da ich so und in dieser Weise öffentlich noch nie gesprochen habe; es ist das erste Mal in meinem Leben. Aber dennoch und trotz aller Not und allerbitteren Enttäuschung und allem bitteren Erleben ist es mir eine Freude, das in aller Öffentlichkeit zu sagen, was mir in den fünfzehn Jahren Dignidad widerfahren ist und was ich erlebt habe. Auch in meiner Verantwortung als Christ sehe ich als meine Pflichtan, das Zeugnis über meine eigenen schrecklichen Erlebnisse abzulegen, um den Menschen, die jetzt noch da sind und diesem Psychoterror von Schäfer ausgesetzt sind, zu helfen.

Ich habe für lange Zeit auf dem Wächter Nr. 1 und an der Pforte, am Empfangshaus, gearbeitet. Daher kannte ich die krankhafte und - ich möchte sagen - irrwitzige, aus einem Verfolgungswahn heraus geborene Sicherheitsanlage Schäfers, die viele Fundo-Bewohner gar nicht kennen und über die wir, die wir da tätig waren, auch nicht sprechen durften.

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Anmerkung:
die hier gewählten Seitenzahlen entsprechen der Nummerierung im schriftlichen Protokoll. Es gibt bisher keine Anzeichen oder Hinweise, dass Seiten weggelassen wurden.

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Steinbruch von Dignidad, angekommen. Am nächsten Mittag war ein Flugzeug da - es ist unmittelbar am Haus der Flugplatz -, in dem Herr Schmidt, Herr Hartmut Hopp und die Rote-Kreuz-Schwester Ingrid Klunk, eine der vertrauten Schwestern Schäfers, waren, die mich dann mit Gewalt wieder ins Fundo zurückholten. Ich weigerte mich. Darauf Herr Hopp: Noch ein Piep von dir, und du kriegst eine Spritze und weißt nichts mehr! und zückte sein Etui. Ich war still. Ich wollte ins Flugzeug einsteigen, da sagte er: Nein, du hast hier zu liegen! Sie hatten eine Trage mitgebracht. Gegen diese Übermacht - zwei Männer, eine Schwester -konnte ich nichts ausrichten. Ich tat, was er verlangte.

Wir kamen im Fundo an, ich wurde abgeholt und direkt ins Gästehaus, das Herr Schäfer allein bewohnt, gebracht. Da saß ein Team, Frau Dr. Gisela Seewald, Rudi Cöllen und Schäfer. Herr Hopp kam dazu. Dann wurde mir gesagt, Frau Dr. Seewald habe den ganzen Tag meinetwegen Lektüre gewälzt und sei zu dem Entschluß gekommen, daß ich krank sei. Nur so sei die Flucht zu erklären, und zwar hänge das mit meinem Alter zusammen. Laut ihrer Lektüre sei ich krank. Herr Hopp stimmte dem zu. Dann habe ich gebeten, Herrn Schäfer alleine zu sprechen - weil man über Ehe oder Eheprobleme absolut nicht sprechen darf, mit niemandem, außer mit Schäfer -, was er mir dann auch erlaubte.

Ich sagte ihm dann: Ich bin nicht krank. Der einzige Grund, warum ich gegangen bin, ist, daß das Leben hier mir nicht mehr erträglich ist. Mein Mann kommt wöchentlich oder vierzehntägig einmal nach Hause. Wenn die Auswärtigen am Samstag abend nach Hause kommen, ist sofort Herrenversammlung. Da geht der Lautsprecher.-Er konnte mich nicht einmal begrüßen. Wir wollten uns sprechen. Dann bin ich bei Nacht über das Feld gegangen und habe in einem Lkw gesessen. Ich habe ihm vorher noch ein Zettelchen zugeschoben: Ich erwarte dich da und da. Das war im Winter, im Sommer, bei Nacht, bei jedem Wetter. Das ging elf Jahre lang . Dann kam mein Mann. Wir konnten uns begrüßen. Das war dann meist morgens

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- Nein, nicht Pater Starischka; das war Pater Vetterlein. Das war ganz in der Nähe der Kolonie . Er ist mit dem Fahrrad dahin gefahren.

Er ist dann nach Deutschland zurückgekommen,

(Frau Packmor: Nach Siegburg!)

- ja, er ist nach Siegburg gekommen -, wurde hier ganz doll empfangen und wurde neu eingekleidet. Er wurde ruhig gehalten, damit er ja nicht irgend etwas gegen die Kolonie sagte. Das hat mein Vater dann auch getan. Nach kurzer Zeit hatte er schon Geld gespart und hatte es auf das Konto in Siegburg gegeben. Herr Schaak hatte eine Unterschriftsberechtigung. So wurde das langsam wieder zurückgewickelt, bis wir zurückkamen und ihn gefragt haben: Wieso denn in Siegburg ein Konto, wenn du in Gronau wohnst? Dann hat er das Geld zurückgefordert und hat es auch bekommen.

Um es kurz zu machen: Herr Horst Münch - etwa 50 Jahre alt - ist 1976 aus dem Fundo geflohen.

Vors. Vogel: War er damals 50 Jahre alt oder jetzt?

Georg Packmor: Damals. - Er hat sich bei einer Zahnärztin in der Nähe der Steinbrecheranlage aufgehalten. Ich wurde geschickt, ihn zu suchen, weil man ihn dort vermutete, da er vorher in der Steinbrecheranlage als Elektriker gearbeitet hatte und er diese Frau kannte. Er ist dann aber zurückgekommen. Er war mit der Frau beim Konsul in Concepcion, aber sie konnten ihm nicht helfen, weil er keinerlei Papiere bei sich hatte. Er ist zurückgekommen. Sein Bruder, der auch Schlosser in der Anlage war, mußte ihn dann ausfragen, was er denn alles so erlebt hatte. Dann war er nur noch im Krankenhaus und wurde speziell behandelt.

Die Sache mit Jürgen Szurgelies habe ich auch noch direkt erlebt. Ich wurde gebeten zu helfen; Jürgen Szurgelies - der etwa 25 Jahre alt war - zu suchen. Ich wurde über Funk gebeten. Er wurde dann aber schon gefunden. Er wurde von der Polizei aus dem Haus geholt und zurückgebracht,

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sei. Herr Blanck, der Rechtsanwalt, war neben mir. Ich sagte: Nein, Herr Blanck ist noch hier. Dann hieß es, er möge einmal hinausgehen. Interessant!

Es hieß: Santiago möge den Funk abstellen. Die Baukolonne, die unterwegs war, sollte den Funk abstellen, die Anlage möge den Funk abstellen; die wollten nur mit mir sprechen. Der Auftrag hieß: Sofort nach Fundo kommen! Aber das sollten die anderen nicht mitbekommen. Das war ein großes Geheimnis. Das war etwas Besonderes.

Später erfuhren wir, was der Grund war, nämlich daß von Deutschland bekannt wurde, daß meine Schwägerin gesagt hat, sie würde Lotti, meine Frau, da herausholen, aus dieser Kolonie. Dieser Ausdruck wurde wohl gesagt, aber in ganz anderem Zusammenhang. Aber Herr Schäfer hat - wieder in seiner großen Angst - da eine große Szene vom Stapel laufen lassen.

Dann wurde - das war an einem Freitag - meine Frau sehr beobachtet. Dann wurden die Bestellungen, die sie sonst gemacht hatte, von einer anderen Person gemacht. Jede Sache wurde beanstandet. Als meine Frau dann einen Teller zurückgehen ließ, wo die Tomate im Restaurant einen schwarzen Flecken hatte, oder eine Ente zu dunkel war, haben sich die anderen aufgeregt und gesagt: Das gibt es nicht; das kommt nicht in Frage; das machen wir nicht. Lotti sagte:

Nein, hier wird nur gute Ware gegen Geld abgeliefert. Dann gab es Reibereien. Abends sollte ein Gespräch stattfinden. Das wurde dann sogar ein handgreifliches Gespräch. Die eine hatte Lotti in die Brust geschlagen: Jutta Gerd, geb. Brennecke, Lotti hatte dann zurückgestoßen, ist in einen Raum gegangen und hat da gewartet. In dieser Nacht wußten wir: Wenn diese Nacht herum ist, ist meine Frau im Krankenhaus unter Quarantäne wie schon zwei vorige Male. Wir rechneten schon damit, daß die Schäferhunde und die Leute unterwegs sind, wenn wir uns nicht bald auf den Weg machen.

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- Jawohl. Es sind fünf Helfer. Ich kann sie Ihnen namentlich geben. - Oder die Kinder wurden unter die kalte Dusche gestellt. Nach dem Prügeln wurden sie wieder ins Bett gebracht, und sie durften weiter so liegen.

Ich wurde als untauglich weggetan. Viehtreiber hat man benutzt und die Kinder damit bearbeitet, - Viehtreiber mit elektrischer Batterie.

Ich wurde dann als untauglich aus dieser Gruppe getan, aus dieser Gruppe der Aufpasser. Ich war aber auch dabei, als Gisela Seewald diesen Jungen - ich sage es der Wahrheit entsprechend, wie ich es erlebt habe - Spritzen in die Hoden gab. Die lagen dann geschwollen im Unterleib da. Herr Hartmut Hopp wird es bestätigen müssen.

Dann kam ich von dort weg, erst einmal ins Neukra, wo ich dann die Begegnung mit der schon geschilderten Ulrike Misselwitz hatte. Ich hatte in dem ganzen Haus nur die Pflege. Mit den Jungen, die nur zur Nacht dahin kamen, hatte ich nichts mehr zu tun. Ich war abgesetzt.

Einige Wochen nach der Neukra-Zeit kam ich in die Mädchenarbeit. Ich bekam eine Gruppe von zehn oder elf Mädchen, die 18 bis 20 Jahre alt waren, zum Teil überentwickelt, die ohne Miederwaren in extra häßlichen Kleidern herumliefen und gearbeitet haben. Das war eine sogenannte Lila-Gruppe, jetzt umbenannt als "Feldmäuse“.

Mit diesen Mädchen habe ich gearbeitet. Auf dem Feld, in jeder Arbeit. Dann habe ich den Mut gehabt, bin zu Schäfer gegangen, habe ihm die Lage erklärt, daß die Kinder doch so nicht gehen könnten, daß wir doch zumindest bei der Unterwäsche anfangen müßten und daß das die Kinder in ihrem Fleiß fördern würde, in allem, was sie tun, wenn sie entsprechende Kleidung hätten. Dann hat er mich zu Gisela Seewald geschickt, die sehr empört war, wie ich dazu käme. Als ich dann aber sagte, daß ich von Schäfer komme und habe den Auftrag, mit ihr zu sprechen, da gab sie grünes Licht. Alles, was man in Fundo erreichen will, ist nur möglich, wenn man sagt: Ich komme von Schäfer.